Kriminal-politik: Unter redaktioneller Mitarbeit von by Hans-Jürgen Lange (auth.), Hans-Jürgen Lange (eds.)

By Hans-Jürgen Lange (auth.), Hans-Jürgen Lange (eds.)

Kriminalpolitik wird von den Autoren des Buches als ein Politik-Programm verstanden, welches die Strategien, Taktiken und Sanktionsinstrumente beschreibt, mit denen die Institutionen der Inneren Sicherheit eine Optimierung der Verbrechenskontrolle zu erreichen versuchen. Derzeit sind Tendenzen zu beobachten, wonach sich die bislang nationwide und staatlich ausgerichteten Kriminalpolitiken „entgrenzen“: sichtbar vor allem in der zunehmenden Europäisierung der Inneren Sicherheit, beobachtbar aber auch anhand der steigenden Einbeziehung kommerzieller Akteure in die Produktion öffentlicher Sicherheit. In diesem Sinne verliert der Staat an originären Handlungs- und Eingriffsbefugnissen. Zugleich ist aber paradoxerweise festzustellen, dass die Tendenzen umfassender gesellschaftlicher Kontrollen insgesamt zunehmen. Dies betrifft einerseits die Spezialisierung und Technisierung der Strafermittlung und der Kriminalprävention (z. B. elektronische Überwachung von Telekommunikations-Infrastrukturen), andererseits expandieren durch die Verwischung der Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem die sozialen Kontrollinstrumente. Die Bürger avancieren selbst zu Akteuren kriminalpolitischer Kontrolle.

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Ökumene und Gemeinde: Untersuchungen zum Alltag in Kirchengemeinden

InhaltDas Buch untersucht die Entwicklung der Beziehungen zwischenevangelischen und katholischen Kirchengemeinden im Zeitraum von 1983 bis 1999in fünf Stadtteilen mit unterschiedlicher Sozialstruktur. Es fällt auf, wie stark die Kirchengemeinden ein Spiegelbildihrer sozialräumlichen Umwelt, ihrer Probleme und Auseinandersetzungen mitherausfordernden gesellschaftlichen Entwicklungen im Nahbereich darstellen.

Kriminal-politik: Unter redaktioneller Mitarbeit von Matthias Gasch

Kriminalpolitik wird von den Autoren des Buches als ein Politik-Programm verstanden, welches die Strategien, Taktiken und Sanktionsinstrumente beschreibt, mit denen die Institutionen der Inneren Sicherheit eine Optimierung der Verbrechenskontrolle zu erreichen versuchen. Derzeit sind Tendenzen zu beobachten, wonach sich die bislang nationwide und staatlich ausgerichteten Kriminalpolitiken „entgrenzen“: sichtbar vor allem in der zunehmenden Europäisierung der Inneren Sicherheit, beobachtbar aber auch anhand der steigenden Einbeziehung kommerzieller Akteure in die Produktion öffentlicher Sicherheit.

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Die Geschichte des Jugendstrafvollzugs von 1871-1945, München u. a. Evans, Richard J. 1996: Rituals of retribution. Capital punishment in Germany 16001987, Oxford u. a. Frommel, Monika 1991: Verbrechensbekämpfung im Nationalsozialismus, in: Stolleis, M. u. a. ): Die Bedeutung der Wörter. Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, München, S. ) 1993: Homosexualität in der NS-Zeit. Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung, Frankfurt a. M. Gruchmann, Lothar 1988: Justiz im Dritten Reich. Anpassung und Unterwerfung in der Ära Gürtner, München Hepp, Michael 1999: „Bei Adolf wäre das nicht passiert“?

343). In der Justizpraxis wurde die Tötung als gängige Sicherungsmaßnahme sogar fest verankert: So konnte seit 1941 der Typus des gefährlichen Gewohnheitsverbrechers, für den bis dahin die Sicherungsverwahrung vorgesehen war, vor Gericht zum Tode verurteilt werden (vgl. Müller 1997, S. ). Am deutlichsten zeigte sich der eliminatorische Zug der Kriminalpolitik an der im September 1942 zwischen Himmler und Reichsjustizminister Thierack getroffenen „Auslieferung asozialer Elemente aus dem Strafvollzug“.

S. ; Wagner 1996, S. ; grundlegend Majer 1987; zusammenfassend Wetzell 2000, S. 233 ff. 42 Thomas Roth nicht nur die Ahndung einzelner Straftaten, sondern der Täter, der gesamte Mensch, der mithilfe kriminalpolitischer Mittel in die Gemeinschaft zurückgezwungen oder endgültig „ausgesondert“ werden sollte. Die in solchen Zielvorstellungen offenbar werdende Nähe zur politischen Gegnerbekämpfung war nicht nur oberflächlich, vielmehr adaptierte die Kriminalpolitik Methoden und Instrumente der von Staatspolizei und Sondergerichten getragenen politischen Repression.

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