Einführung in die Soziologie der Behinderung by Jörg Michael Kastl

By Jörg Michael Kastl

In diesem Lehrbuch wird erstmals konsequent vor einem körpersoziologischen Hintergrund eine Soziologie der Behinderung entwickelt. Dies geschieht im steten Rückgriff auf kulturhistorische und kulturanthropologische Beispiele, auf statistische Daten und empirische Forschungsbefunde. Unter den Überschriften „soziale Produktionen“, „soziale Reaktionen“ und „soziale Konstruktionen“ wird ein fundierter Überblick über soziologische Dimensionen körperlicher, kognitiver und psychischer Behinderungen vermittelt. In exemplarischen Studien (u.a. zu sozialen Reaktionen, Freakshows, Behinderung im Nationalsozialismus, biographischen Aspekten von Behinderung) werden Denkweisen und Forschungsperspektiven der Soziologie der Behinderung demonstriert. Dabei wird auf klassische stigmatisierungstheoretische Konzepte und Befunde ebenso eingegangen wie auf neueste Forschungsergebnisse aus den naturwissenschaftlich geprägten Neurowissenschaften und die sozialkonstruktivistischen Ansätze der sogenannten „Disability Studies“. Das Lehrbuch ermöglicht eine neue und mehrperspektivische Sichtweise von Behinderung und richtet sich ebenso an Lehrende und Studierende, die an soziologischen Fragen interessiert sind, wie an Lehrende und Studierende der Sozial-, Heil- und Sonderpädagogik.

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Ökumene und Gemeinde: Untersuchungen zum Alltag in Kirchengemeinden

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Kriminal-politik: Unter redaktioneller Mitarbeit von Matthias Gasch

Kriminalpolitik wird von den Autoren des Buches als ein Politik-Programm verstanden, welches die Strategien, Taktiken und Sanktionsinstrumente beschreibt, mit denen die Institutionen der Inneren Sicherheit eine Optimierung der Verbrechenskontrolle zu erreichen versuchen. Derzeit sind Tendenzen zu beobachten, wonach sich die bislang nationwide und staatlich ausgerichteten Kriminalpolitiken „entgrenzen“: sichtbar vor allem in der zunehmenden Europäisierung der Inneren Sicherheit, beobachtbar aber auch anhand der steigenden Einbeziehung kommerzieller Akteure in die Produktion öffentlicher Sicherheit.

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Sie wiesen im Gegensatz zu der ursprünglichen Annahme eine besonders große Nebenniere auf. Es wurde also eine statistische Norm, die nur für eine Gruppe galt, fälschlicherweise generalisiert. Die vergrößerten Neben nieren der Armenhäusler resultierten, wie mittlerweile gezeigt werden konnte, aus lebenslangem sozioökonomisch bedingtem Dauerstress. ). Funktionelle Normalität Die ungerechte Behandlung der Statistik durch die Konstruktivisten ist die eine Sache. Zudem kann man die Frage stellen, ob man in diesem Zusammenhang nicht auch so etwas unterstellen muss wie eine Art funktionelle Normalität.

Wie viele behinderte Menschen es insgesamt gibt (wenn so eine Formulierung überhaupt Sinn macht), darüber lässt sich nur spekulieren. Es gibt Schätzungen, die für die Bundesrepublik einen Gesamtanteil von 10 % an der Bevölkerung unterstellen. In jedem Fall stellt sich das nahezu unlösbare Problem einer fehlenden einheitlichen De¿nition und damit zusammenhängend der Abgrenzung gegenüber leichteren, sozusagen „normalen“ Funktionsbeeinträchtigungen, beispielsweise einer durch eine rheumatoide Arthritis beeinträchtigten Hand, die „nicht mehr so richtig will“.

Weizsäcker 1986: 38) Dabei zeigen sich zum Teil Überlappungen mit dem Alltagssprachgebrauch von Behinderung, zum Teil aber nicht. Inbegriffe von Behinderung sind für den berühmten Mann und die berühmte Frau von der Straße beispielsweise die Querschnittslähmung, die zur Benutzung des Rollstuhls zwingt, der Verlust von Gliedmaßen, Blindheit und Gehörlosigkeit sowie geistige Behinderung, wenn sie – wie das Down-Syndrom – mit körperlichen Merkmalen einher geht oder das Verhalten in sehr auffälliger Weise prägt.

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