Bildliches und logisches Denken: Eine Kritik der by Uwe Oestermeier

By Uwe Oestermeier

Gibt es Vorstellungen, die in einem psychologisch relevanten Sinne bildhaft sind? Denken Menschen syntaktisch oder semantisch? In der Kognitionspsychologie werden diese Fragen vor allem innerhalb der Imagery-Debatte und der Kontroverse um deduktive Formen des Denkens diskutiert. Die Computertheorie des Geistes conflict und ist eine der wichtigsten Grundlagen für diese Diskussionen. Das anfangs vielversprechende Forschungsprogramm, den menschlichen Geist als Computerprogramm aufzufassen, hat inzwischen in eine Sackgasse geführt: Die aufgeworfenen Fragen lassen sich unter den funktionalistischen Voraussetzungen dieser Theorie nicht empirisch beantworten. Uwe Oestermeier analysiert und bewertet den aktuellen Stand der Forschung und zeigt anhand philosophie- und wissenschaftsgeschichtlicher Exkurse, daß die Probleme teilweise auf einem Kategorienfehler beruhen. Logische Kalküle, konzipiert zur Verbesserung des menschlichen Denkens, wurden unter dem Einfluß der Computertheorie des Geistes zu Beschreibungen und Erklärungen nicht-normativer Denkprozesse umgedeutet. Die Arbeit wurde 1996 mit dem Promotionspreis der Universität Tübingen für die beste Dissertation an der Philosophischen Fakultät ausgezeichnet.

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16 Es ist strittig, ob mit den "Widerfahrnissen der Seele" eher Gedanken oder Vorstellungen gemeint sind. 17 Aber trotz dieser Unklarheit hat diese Konzeption einen echten sachlichen Vorteil: Sie erklärt, wie Menschen unterschiedlicher Sprache dasselbe denken können. Demnach stehen Worte und andere Zeichen nicht direkt für die bezeichneten Gegenstände, sondern der Bezug wird durch Vorstellungen und Gedanken vermittelt, mit denen die Zeichen assoziiert sind. Während die sprachlichen Zeichen konventionell sind und ihrer Form also nicht ansehbar ist, worauf sie sich beziehen, ist dies bei mentalen Repräsentationen anders.

Die inferentielle Kohärenz ergibt sich allein aus dem Kalkülcharakter, die Kompositionalität und Produktivität - d. h. die Eigenschaft, aus atomaren Bestandteilen potentiell unendlich viele Strukturen erstellen zu können aus der rekursiven Verschachtelung von Diagrammelementen und die Systematizität - d. h. die Möglichkeit, bei R(a,b) auch R(b,a) darstellen zu können - aus der freien Positionierbarkeit der Elemente. Es gibt also apriori keinen Grund anzunehmen, die logische Struktur propositionaler Einstellungen sei prädikatenlogisch codiert.

Ganz grob kann man sein System so charakterisieren: Auf die Definitionen (,,Ein Punkt ist, was keine Teile hat"), Postulate und Axiome folgen durch logische Deduktionen neue Aussagen, wobei aber für die Darstellung der Beweise die Diagramme und Planfiguren unverzichtbar sind. Ohne sie wären die sprachlich-symbolisch notierten Beweise unverständlich. Die anschauliche Geometrie wurde zum wichtigsten Ideal der klassischen Erkenntnistheorien und Wissenschaften. Noch in Newtons ,,Principia naturalis" finden wir vor allem geometrische Beweise, zu denen sich Newton genötigt sah, um überhaupt von seinen Zeitgenossen verstanden zu werden, und Spinoza versuchte eine Ethik more geometrico (nach Art der Geometrie), um damit auszudrücken, daß die einzelnen Lehrsätze streng logisch aus den Definitionen folgen.

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